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Inklusions-Fallerifallera? Ohne uns!

Auch auf der dritten Pride-Parade in Berlin Mitte Juli demonstrierten Menschen mit psychiatrischer Diagnose und mit Behinderung für mehr Selbstbestimmung. Deutlich und laut kritisiert wurde diesmal die deutsche Inklusionspolitik. (in GID 231, August 2015 S. 37 – 38, dort auch Anmerkungen und Belege)

Unter dem Motto „Party statt Pathologisierung!“ fand am 11. Juli in Berlin zum dritten Mal die „Behindert und verrückt feiern“-Parade statt. 2.000 Menschen mit psychiatrischer Diagnose und Behinderung sowie deren UnterstützerInnen liefen, humpelten und rollten vom Neuköllner Hermannplatz zum Kottbusser Tor in Kreuzberg.

Die Parade war in diesem Jahr deutlich politischer. Auch wurden konkrete Forderungen erhoben, was in den Vorjahren eher vermieden worden war. Schon im Aufruf wurde das „Inklusions-Fallerifallera“ kritisiert, mit dem in der Politik zwar gern und viel über Inklusion gesprochen, aber kaum etwas getan werde. Die Pride-Parade machte sich dabei die Kritik des UN-Fachausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen an der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) zu eigen. Dieser Ausschuss hatte Deutschland im April eine Rüge erteilt: Sechs Jahre nach dem Inkrafttreten der Konvention würden Behinderte weiterhin systematisch daran gehindert, in eigenen Wohnungen zu wohnen. Kinder mit Auffälligkeiten würden mehrheitlich abgesondert beschult und Erwachsenen kaum Zugang zum ersten Arbeitsmarkt ermöglicht.
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Gegen die „Märsche für das Leben“ – eine Erfolgsgeschichte

in: Familienplanungszentrum – BALANCE (Hg.): Die neue Radikalität der Abtreibungsgegner_innen im (inter-)nationalen Raum. Ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen heute in Gefahr?
ISBN 978-3-940865-32-8
2012, 95 Seiten, S. 84-87, 14,00 Euro, AG Spak

Textauszug:

Seit 2008 kommt es in mehreren deutschen, österreichischen und Schweizer Städten zu Mobilisierungen gegen die alljährlichen Demonstrationen der selbsternannten Lebensschützer_innen. Berlin, München, Freiburg und Münster, Wien, Graz, Salzburg und Zürich – linke, antifaschistische und (queer)feministische Gruppen demonstrieren gemeinsam mit Frauenberatungsstellen gegen fundamentalistische Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen. Diese Mobilisierungen setzen zum einen den Aktionen der Abtreibungsgegner_innen erstmals öffentlichen Protest entgegen, zum anderen gaben sie auch Anstöße zur Vernetzung von Gruppen, die bislang nicht zusammengearbeitet haben. Darüber hinaus haben diese Proteste eine erneute Auseinandersetzung mit Abtreibung und reproduktiven Rechten angeregt, die in linken und (queer)feministischen Kreisen lange nicht mehr geführt wurde.